Wie kommt das Implantat in den Mund?

Um die häufigste Befürchtung zuerst zu beantworten: Ohne Schmerzen. Die Behandlung erfolgt unter lokaler Betäubung – mehr ist in aller Regel auch nicht nötig. Der Eingriff ist vergleichbar mit einer Zahnentfernung, die Wunde heilt im Normalfall binnen weniger Tage.

Und so geht es:
Mit einem kleinen Schnitt wird die Mundschleimhaut geöffnet und der Knochen freigelegt. Dann schafft der Zahnarzt mit einem speziellen Bohrer das genau zum Implantat passende Lager im Knochen. Nach dieser Vorbereitung wird das Implantat eingesetzt und die Mundschleimhaut meist wieder geschlossen. Nach ca. 3 Monaten ist das Implantat so fest im Knochen verwachsen, dass es belastet werden kann. Während dieser Zeit ermöglicht ein Provisorium das Kauen und Sprechen.
Sobald das Implantat eingeheilt ist, wird wieder unter lokaler Betäubung die Mundschleimhaut direkt über dem Implantat geöffnet und ein 'Aufbau' auf das Implantat gebracht; entweder zementiert, geklebt oder verschraubt. Darauf wird dann – ebenfalls fest verbunden – der Zahnersatz gebracht, also die Krone.


Geht es auch schneller?
In den Medien wird heute oft von 'Sofortversorgung' und 'Sofortbelastung' gesprochen. Manchmal können Implantate schon innerhalb weniger Stunden belastet werden - dabei kommt es aber vor allem auf den Patienten an.In den meisten Fällen ist eine unbelastete Einheilung erfolgssicherer.

Implantate auch für mich?

Zuerst sollte klar sein: Kein Zahnersatz ist so gut wie eigene gesunde Zähne. Deshalb gilt das Interesse von Zahnarzt und Patient in erster Linie der Gesunderhaltung der natürlichen Zähne.

Für viele der konventionellen Zahnersatzlösungen gilt: Je mehr eigene Zähne vorhanden sind, umso komfortabler kann der Zahnersatz sein. Das ist bei Implantaten anders. Grundsätzlich kann jeder Zahn, der verloren gegangen ist, durch ein Implantat ersetzt werden, ohne dass Nachbarzähne abgeschliffen werden müssen. Auch eine Brücke allein auf Implantaten kann mehrere verloren gegangene Zähne ersetzen. Implantate sind so die modernste und variabelste Form von Zahnersatz.

Die Experten sind sich einig: Nichts ist aus zahnmedizinischer Sicht so sinnvoll wie ein Implantat. Es kommt der Natur am nächsten.

Welche Risiken gibt es?

Manche Krankheiten oder gesundheitliche Belastungen sind ein Risiko, z.B.:
- Medikamente
- Diabetes mellitus in besonders schweren Fällen
- ständige Einnahme bestimmter Medikamente (z. B. Psychopharmaka, Blutgerinnungsmedikamente, Osteoporosemedikamente u.a. )
- Strahlungstherapie an Kopf und Hals
- durch Krankheit oder Alter eingeschränkte Fähigkeit zur Mundhygie.

Auch manches Verhalten ist riskant:
- starkes Rauchen
- übermäßiger Alkoholkonsum
- mangelhafte Mundhygiene
- wenig Geduld

Biologische Voraussetzungen

Der Kieferknochen muss ausreichend und gesund sein: Reicht die Knochenmenge nicht aus, muss sie aufgebaut werden. Eine bestehende Zahnbettentzündung (Parodontitis) muss vor der Implantation behandelt werden.

Ein Implantat kann eine Menge Geduld verlangen aber es bedankt sich dafür, indem man es schon bald gar nicht mehr spürt...

Was sind die Vorteile?

Implantate schützen vor Schäden an der Mundgesundheit.

Das Implantat ist der beinahe perfekte Ersatz für einen gezogenen oder einen verloren gegangenen Zahn. Der Verlust wird quasi 1:1 ersetzt. Nachbarzähne müssen nicht einbezogen werden, ein Implantat ersetzt die sonst notwendige Brücke.
 
Freiendsituation
Die aus zahnmedizinischer Sicht bestmögliche Lösung ist ein Implantat auch dann, wenn die letzten Zähne am Ende der Zahnreihe fehlen. Implantate werden als Ersatz der verloren gegangenen Zähne gesetzt und als feste Brücke verbunden. Sie verhindern damit Abnutzungen am Kieferknochen, Fehlbelastungen der natürlichen Zähne bis hin zu Lockerung und Zahnverlust sowie Reizungen am Zahnfleisch und Erkrankungen amKiefergelenk.

Welche Voraussetzungen sind nötig?
Ein sicheres Fundament, sprich ausreichend vorhandener Kieferknochen, ist für ein Implantat wichtig. Im Einzelfall entscheidet der Zahnarzt, ob ein Implantat gesetzt werden kann, oder ob der Knochen zuvor entsprechend aufgebaut werden muss und kann. Heute gibt es zum Knochenaufbau verschiedene Behandlungsmöglichkeiten. Der Zahnarzt entscheidet mit seinem jeweiligen Patienten, ob und welche Möglichkeiten machbar und sinnvoll sind. Meist kann körpereigener Knochen an geeigneter Stelle entnommen und an den Ort der Implantation transplantiert werden. Als Alternative gibt es sogenannte Knochenersatzmaterialien, die als Ersatz für verloren gegangenen Knochen dienen.

Wann helfen Implantate?

Die moderne Zahnheilkunde macht den Patienten viele sinnvolle Angebote, zwischen denen sie auswählen können.

Sind Implantate auch bei wenigen eigenen Zähnen möglich?
Auf jeden Fall! Implantate sind eine ideale Lösung, weil sie wie bei einem Baukastensystem viele Erweiterungsmöglichkeiten bieten. Schon wenige Implantate verbessern enorm den Halt von Zahnersatz.

Was, wenn ich zahnlos bin?
Das Leben ohne Zähne ist aus vielfacher Sicht ein große Belastung: Ohne Zahnersatz sieht das Gesicht eingefallen aus, das Sprechen ist erschwert, das Kauen wird in einem zahnlosen Mund zu einer so großen Strapaze. Mangelernährung und damit einhergehende Krankheiten können die Folge sein. Auch der soziale Aspekt spielt eine große Rolle. Zahnlose Menschen fühlen sich nicht selten von der Gesellschaft ausgegrenzt. Das muss nach dem Stand der heutigen Zahnmedizin aber nicht so sein. Es gibt auch für noch so schwierig erscheinende Fälle eine Lösung!

Neu gewonnene Lebensqualität
Mit sicher und fest sitzenden 'neuen Zähnen' gewinnt man nicht nur Lebensfreude und Lebensqualität, sondern auch Gesundheit.Viele Patienten fühlen sich mit ihren festen Zähnen zudem wieder sicher und attraktiv – es beginnt ein neues Leben.

Langfristig denken!
In alle Überlegungen fließt immer der Gedanke an eine langfristige Lösung ein, denn Implantate halten sehr lange. So sind spätere Umbaumöglichkeiten und Erweiterungen des Zahnersatzes schon bei Behandlungsbeginn einzuplanen. Abgesehen davon kann mit fortschreitendem Alter die Pflege und Handhabung von herausnehmbarem Zahnersatz schwerer werden - auch daran muss gedacht werden. Deshalb müssen bei jeder Behandlungsplanung die individuelle Situation des Patienten, seine Bedürfnisse und seine Erwartungen berücksichtigt werden. Vor einer Zahnersatzversorgung sollte man sich daher für die Planung Zeit nehmen und sich ausfühlich beraten lassen!

Wie heilen Implantate ein?

Das Implantat ist meist aus Titan oder einer Titanlegierung und wird von den Körperzellen im Knochen fast immer ohne Probleme angenommen. Es bildet nach der Einheilung eine feste Einheit mit dem Knochen und ist damit belastbar. Auch Herzschrittmacher und künstliche Gelenke in der Medizin sind übrigens aus Titanlegierungen.

Die 4 Phasen der Implantation
Die Natur braucht ihre Zeit
Das Einheilen ist ein natürlicher Vorgang, den man nicht beschleunigen kann. Die Bohrung im Knochen wird durch das Implantat verschlossen, das von Anfang an fest sitzen soll. Durch die ständigen An- und Abbauvorgänge der Körperzellen wird das Implantat im Knochen integriert. Wenn das Implantat sicher eingeheilt ist, kann es belastet und der endgültige Zahnersatz auf dem Implantat befestigt werden.

Worauf muss der Patient besonders achten?

Auf Ruhe und Hygiene!
Um den Einheilprozess nicht zu stören, sollte man in den ersten Tagen

- die Implantatstelle nicht belasten, auch nicht durch das Provisorium,
- keine harte Nahrung kauen,
- nicht rauchen,
- und auch anstrengende körperliche Belastung vermeiden (kein Sport).

Immerhin handelt es sich um eine Operationswunde, die geschont werden muss. In Einzelfällen können weitere Vorsichtsmaßnahmen notwendig sein, die mit dem ZahnArzt besprochen werden sollten.

Um Infektionen zu vermeiden, sollte man:

- bei der Mundhygiene schonend, aber effektiv vorgehen. Anfangs reicht eine oft antibakterielle – Mundspülung,
- nach wenigen Tagen vorsichtig mit der Zahnbürste nachputzen und an der Implantatstelle sanft aber sorgfältig die Beläge entfernen,
später wieder ganz normal die elektrische oder Handzahnbürste benutzen - und wirklich nie vergessen.

Auch wenn es manchen Patienten verwundert: Der Erfolg jeder Implantation hängt letztlich ab von der Qualität der Mundhygiene und damit der Vermeidung von bakteriellen Infektionen durch Zahnbelag. Individuelle Hygienetipps geben alle prophylaxeorientierten Zahnarztpraxen.

Für allgemeine Hygieneinformationen gibt es eine spezielle Broschüre des BDIZ EDI

Reicht normale Mundhygiene?

Eindeutig: Nein.
In Zahnbelägen leben zahlreiche Bakterien. Solange die Beläge regelmäßig entfernt werden, bevor es zu Schäden an Zähnen oder Zahnfleisch kommt, bleibt das biologische Gleichgewicht in der Mundhöhle erhalten. Sobald sich die Plaque-Bakterien zu stark vermehren, besteht das Risiko von Karies und  Parodontitis (umgangssprachlich: Parodontose) und bei Implantaten: Periimplantitis. Entzündungen wie die Periimplantitis bergen ein erhebliches Risiko, das gesetzte Implantat zu verlieren.

Hilfsmittel

Normale Zahnbürste: Sie reicht nicht überall hin (auch keine noch so moderne elektrische!), weil sie nichtin die Zahnzwischenräume hinein kommt
Zahnseide, Interdentalraumbürste, Zahnhölzchen: Sie sind zwingend notwendig (es gibt auch Zahnseide für Implantate). Nur so können die bakteriellen Beläge zwischen den Zähnen beseitigt werden.

Munddusche: Sie ist nicht geeignet für Implantate und kein Ersatz für Zahnreinigung!

Wie oft muss ich zur Kontrolle?

Den Kontroll-Rhythmus nach der Implantation bestimmt der Zahnarzt weil es darauf ankommt, welches Implantat gesetzt wurde, wie die Voraussetzungen im Mund waren und ob ein erhöhtes Infektionsrisikobesteht. Wenn die Einheilung erfolgt ist, geht man in der Regel von zwei Kontrollen pro Jahr aus. Dabei werden Sitz und Festigkeit des Implantates überprüft. Diese Untersuchungen sollte man auch nutzen, um gleich eine 'professionelle Zahnreinigung' durchzuführen. Eine solche von Experten ausgeführte gründliche Reinigung der Mundhöhle ist eine hervorragende Investition in die Langlebigkeit der eigenen Zähne und auch der Implantate!

Quelle: Bundesverband der implantologisch tätigen Zahnärzte in Europa e.V. (BDIZ EDI - www.bdiz.de)